Lateinamerikas Bergbauländer im

Wettbewerb um Investoren

Autorin: Anne Litzbarski, Germany Trade & Invest

Kein neuer Superzyklus, aber Ende der Krise / Hoher Bedarf an Umwelttechnik

Santiago de Chile (GTAI) - Mit den Rohstoffpreisen steigt in Lateinamerikas Bergbau die Zuversicht. In den Anden lagern Rohstoffe, die deutsche Firmen für Elektroauto-Batterien oder andere Hochleistungsakkumulatoren brauchen. Auch bei der Förderung von Metallen kommen ausländische Lieferanten zum Zug. Geschäftskonzepte zur Wasser- und Umwelttechnik sollen das Image der Branche verbessern.

 

Nach der bis 2017 anhaltenden Schwäche der Metallpreise wird der Bergbau der Region 2018 aller Voraussicht nach wieder verstärkt produzieren und investieren. Der Abschwung ist vorbei, aber der Superzyklus kommt nicht zurück, so die einhellige Einschätzung. Der Optimismus ist in Bezug auf Kupfer am weitesten verbreitet. Doch auch für die meisten anderen Schlüsselmetalle Lateinamerikas, darunter Gold und Zink, beginnt 2018 recht vielversprechend. Eine Ausnahme ist Eisenerz, doch zumindest scheinen auch hier die Tiefstände von 2016 der Vergangenheit anzugehören.

 

Anfang Februar 2018 bezifferte der Informationsdienstleister BN-americas den Gesamtwert der aktiven Bergbaugroßprojekte in Lateinamerika und der Karibik auf 183 Milliarden US-Dollar (US$). Chile und Peru liegen an der Spitze mit 74,9 beziehungsweise 38,3 Milliarden US$, gefolgt vom aufstrebenden Argentinien (17,1) sowie Brasilien (10,8) und Mexiko (8,0). Hinzu kommen Vorhaben für 11,6 Milliarden US$, die Chile und Argentinien gemeinsam zugeordnet sind, namentlich das umstrittene Projekt Pascua-Lama. Diese Zahlen lassen Projekte außen vor, die bereits in Betrieb gegangen sind oder aber gestoppt oder ganz abgesagt worden sind. Laut BNamericas entfielen 2017 rund 30 Prozent der weltweiten Explorationsausgaben auf Lateinamerika.

 

 

Abbaugebiete von Nordmexiko bis Feuerland

 

Vor allem die Andenregion birgt noch immer großes Potenzial, weil dort die bedeutendsten Lagerstätten von Zinn, Gold, Kupfer und Lithium liegen. Auch unter den fünf größten Förderländern von Zinn finden sich mit Peru, Bolivien und Brasilien drei Länder Südamerikas. Brasilien ist nach China das Land mit den größten Vorkommen an seltenen Erden, die in Windenergieanlagen, Abgaskatalysatoren oder Brennstoffzellen zum Einsatz kommen.

 

Lithium ist Bestandteil von Akkus, wofür der Bedarf mit der Weiterentwicklung der Elektromobilität rasant steigt. Argentinien, Bolivien und Chile bilden das „Dreieck des weißen Goldes“ und liefern sich bereits einen Wettstreit um die besten Rahmenbedingungen für ausländische Investoren. Bolivien und Chile verfügen zusammen über rund zwei Drittel der Ressourcen. In den Salzseen der Atacamawüste lagert das Lithium an der Oberfläche und wird durch Verdunstung des Wassers gewonnen. In Argentinien könnten sich Produktion und Export bis 2021 verdreifachen.

 

In Chile soll der Großteil des Lithiumkapazitätszubaus 2019 erfolgen. Um auch nachfolgende Wertschöpfungsketten in der Speichertechnologieentwicklung aufzubauen, fördert das Andenland internationale Kooperationen in der Forschung und Entwicklung. Zu den größten Akteuren zählen China und Deutschland.

 

 

Freundlicherer Rechtsrahmen in einigen Ländern

 

In Peru soll eine neue Verordnung des Ministeriums für Energie und Bergbau den Konzernen die Arbeit erleichtern. Demnach sind einige kleinere Vorarbeiten schon vor gewissen Prüfungen durch die zuständigen Behörden erlaubt, zum Beispiel der Bau von Minensiedlungen. Die Initiative der Regierung schließt ein Konjunkturpaket und zügigere Verwaltungsverfahren ein. Eine zusätzliche Maßnahme ist die Erstattung der Mehrwertsteuer, falls bei der Exploration keine Reserven gefunden werden. Dadurch teilen sich Staat und Explorationsunternehmen das Risiko.

 

In Argentinien werden die Fördermengen 2018 steigen, da verschiedene Gold- und Silberminen die Produktion aufnehmen. Die Beratungsfirma Abeceb erwartet eine Zunahme der Bergbauexporte um 6 Prozent. Der marktfreundliche Präsident Mauricio Macri setzt auf höhere Investitionen. Allerdings bleibt das Land unterteilt in Provinzen wie Salta, die als bergbaufreundlich gelten, und Chubut, Heimat der riesigen Silberlagerstätte Navidad, welche die Branche ablehnen.

 

In Ecuador hat ein neugestalteter Rechtsrahmen zu einem größeren Projektportfolio geführt. Laut BNamericas umfasst es derzeit 2,5 Milliarden US$. Die Projekte Mirador, Fruta del Norte und Río Blanco befinden sich kurz vor oder in der Bauphase. Die größte Herausforderung besteht darin, die Anleger davon zu überzeugen, dass das derzeitige politische Umfeld dauerhaft fortbestehen wird.

 

 

Chancen bei Wasserwirtschaft und Umweltschutz

 

Der Ausbau und die Modernisierung der Abbaumethoden eröffnet Marktchancen für deutsche Anbieter. Um Anreize für Konzerne zu schaffen, haben viele Länder in den letzten Jahren die Umweltschutzauflagen gelockert. Zurzeit erwägt etwa die Regierung Argentiniens eine Senkung der Umweltstandards in Gletschergebieten. Damit verstärkt sich das Imageproblem der Branche, mit dem sich sowohl die ausländischen Konzerne als auch die Unternehmen vor Ort konfrontiert sehen. Zudem kommt es immer wieder zu schweren Unfällen wie dem Bruch des Rückhaltebeckens einer Eisenerzmine in Brasilien 2015, das unsicher gebaut worden war. Erst im Anschluss daran verschärften die Umweltbehörden die Kontrollen.

 

Die Umweltgesetzgebung ist in Lateinamerika grundsätzlich schwächer als in Deutschland. Oft mangelt es auch an Umsetzung und Kontrolle. Der heftige politische Gegenwind hat dazu geführt, dass der Bergbau in El Salvador komplett verboten ist. In kolumbianischen Bergbauregionen haben die Menschen in Referenden gegen den Bergbau gestimmt. Die - durchgesetzte - Beteiligung der Bevölkerung kann allerdings wieder gekippt werden. Das Hin und Her hat Rechtsunsicherheit zur Folge; einige Lizenzverfahren sind nun noch komplexer und langwieriger.

 

Zu den realistischen Zielen zur Veränderung des Bergbaus im Sinne von mehr Nachhaltigkeit gehören Raumordnungspläne zur Festlegung, wo welche Art von Aktivität am sinnvollsten ist. Die Unternehmen richten ihre Geschäftskonzepte entsprechend aus. Zum einen gilt es den Imageschaden der Branche zu beheben. Andererseits investieren die Konzerne verstärkt in neue Technologien, um negative Umweltauswirkungen zu minimieren und die Produktivität zu steigern. Der Konzern Samarco entschied sich in Brasilien für eine unkonventionelle Entsorgung von Bergematerial, das vorab in Sand und Wasser sowie zu etwa 20 Prozent in Bergbauschlämme getrennt wird. Das Wasser soll wiederverwendet werden.

 

Eine effizientere Wassernutzung gehört zu den obersten Prioritäten des polarisierenden Sektors. Auch Messtechnik zur Baugrunduntersuchung, Charakterisierung der Bodenbeschaffenheit und Bestimmung der Risikofaktoren gewinnt an Bedeutung.

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